Ungedeckte Empfängnis: De-Mail noch ohne kritische Masse

Das De-Mail-Projekt hat in Deutschland noch immer Akzeptanzprobleme: De-Mail ist eines auf E-Mail-Technik beruhenden, hiervon aber technisch getrennten Kommunikationsmittels zur „sicheren, vertraulichen und nachweisbaren“ Kommunikation im Internet (§ 1 Abs. 1 De-Mail-Gesetz). Realisiert und betrieben wird De-Mail in der Regel von privatwirtschaftlichen Unternehmen, den De-Mail-Anbietern. Nachrichten und Dokumente sollen über das Internet vertraulich, sicher und nachweisbar versendet und empfangen werde. Damit sollte ein elektronisches Pendant zur heutigen Briefpost etabliert werden. Jedoch bleibt die Akzeptanz der Bürgerinnen und Bürge hinter den Erwartungen zurück. In ihrem pflichtgemäß veröffentlichten Zwischenbericht zur Entwicklung der gesetzlich geregelten De-Mail schreibt die Bundesregierung, dass die „kritische Masse“ noch nicht erreicht worden sei. Da die Bundesverwaltung verspätet an das System angebunden werde, gebe es zudem noch keine ausreichenden Erfahrungswerte mit der Kommunikation zwischen Bürger und Staat über dieses Medium. Der nächste Sachstandsbericht zur De-Mail-Entwicklung soll 2016 veröffentlicht werden.

Rund zweieinhalb Jahre nach Einführung der De-Mail haben laut Bericht rund eine Million Bürger eine authentifizierte De-Mail-Adresse. Bei Unternehmen und in der Verwaltung komme man auf „eine hohe fünfstellige Zahl“. Insgesamt aber „konnte die für die Entstehung von Netzwerkeffekten erforderliche ‚kritische Masse‘ von Nutzern noch nicht erreicht werden“, heißt es im Sachstandsbericht der Regierung. Eine Bewertung, wie sich die De-Mail bewährt und wo das System verbessert werden muss, sei daher noch nicht möglich. Dies betreffe auch die Anbindung der Bundesverwaltung, da diese aufgrund einer gerichtlichen Auseinandersetzung erst seit Anfang 2015 aufgebaut wird.

Nachhilfe in Sachen Akzeptanz soll nun eine EU-Verordnung bringen: Obwohl De-Mail in seiner Effizienz und Alltagstauglichkeit noch vor der Prüfung steht, setzt die Bundesregierung wegen der eIDAS-Verordnung der Europäischen Union auf eine steigende Akzeptanz für De-Mail durch die Anerkennung als offizieller Zustelldienst im Verbund anderer europäischer Angebote.

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